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Where to be?

Tupelo

The Gate­way City
Das 2018 von Reid Caldwell und Kit Stafford gestaltete Greetings From Tupelo Mural zeigt den Stadtnamen im Stil einer historischen Ansichtskarte. In den Buchstaben sind lokale Wahrzeichen wie das Courthouse, Elvis Presleys Geburtshaus und ein Gitarrenmotiv dargestellt.

Tupe­lo im Nord­os­ten Mis­sis­sip­pis ist untrenn­bar mit einem Namen ver­bun­den: Elvis Pres­ley. Hier wur­de der spä­te­re King of Rock ’n’ Roll gebo­ren, hier ver­brach­te er sei­ne Kind­heit, und hier begann eine musi­ka­li­sche Geschich­te, die weit über die Gren­zen der USA hin­aus­rei­chen soll­te. Doch wer Tupe­lo aus­schließ­lich auf Elvis redu­ziert, über­sieht eine Stadt, die auch abseits ihrer berühm­tes­ten Per­sön­lich­keit eini­ges zu erzäh­len hat.

Die his­to­ri­sche Innen­stadt mit ihren Back­stein­fas­sa­den und tra­di­tio­nel­len Geschäfts­stra­ßen erin­nert an die Ent­wick­lung eines eins­ti­gen Eisen­bahn- und Han­dels­zen­trums. Das mar­kan­te Lee Coun­ty Court­house, alte Indus­trie­ge­bäu­de und das Lyric Theat­re sind sicht­ba­re Zeug­nis­se ver­gan­ge­ner Jahr­zehn­te. Dazwi­schen haben far­ben­fro­he Wand­ma­le­rei­en ihren Platz gefun­den, die loka­le Geschich­te, kul­tu­rel­le Iden­ti­tät und zeit­ge­nös­si­sche Kunst mit­ein­an­der verbinden.

Tupe­lo ist dabei kei­ne Stadt, die ihre Geschich­te hin­ter Muse­ums­mau­ern ver­steckt. Vie­les ent­deckt man ganz bei­läu­fig: in schma­len Sei­ten­gas­sen, an ver­wit­ter­ten Fas­sa­den, zwi­schen Anti­qui­tä­ten oder am Stra­ßen­rand. Gera­de die­se Mischung aus Musik­ge­schich­te, Süd­staa­ten­all­tag und foto­gra­fisch reiz­vol­len Zufalls­fun­den macht Tupe­lo zu einem inter­es­san­ten Zwi­schen­stopp auf einer Rei­se durch Mississippi.

Down­town & Stadtgeschichte

His­to­ri­sche Geschäfts­stra­ßen, mar­kan­te Back­stein­bau­ten und das Lee Coun­ty Court­house erzäh­len von Tupe­los Ent­wick­lung zum wirt­schaft­li­chen Zen­trum Nordmississippis.

Die markante Kupferkuppel des 1904 nach Plänen von P. H. Weathers errichteten Lee County Courthouse in Tupelo.
Die Tupelo Hardware Company an 114 West Main Street, wo Gladys Presley ihrem Sohn 1946 seine erste Gitarre kaufte; am Schaufenster erinnert ein Schild daran.
Elvis Pres­ley

Vom beschei­de­nen Geburts­haus über die Kind­heits­kir­che bis zum Kauf sei­ner ers­ten Gitar­re: In Tupe­lo begann die Geschich­te einer Musiklegende.

Street Art & Roadside 
Zirkus-Wandgemälde in der Gasse neben der CREATE Foundation an der South Broadway Street; Elefant im Vordergrund.

Downtown und Stadtgeschichte

Straßenflucht mit Backsteinbauten und Blick auf das Lee County Courthouse von 1904; Kuppel im Bildhintergrund.

Backstein, Bahn und breite Straßen

Tupe­los Innen­stadt ist ein Stück ame­ri­ka­ni­scher Stadt­ge­schich­te, das sich am bes­ten zu Fuß ent­de­cken lässt. Ent­lang der Main Street ste­hen his­to­ri­sche Geschäfts­häu­ser neben moder­ni­sier­ten Fas­sa­den, brei­te Stra­ßen kreu­zen schma­le Sei­ten­gas­sen und zwi­schen den Gebäu­den öff­nen sich immer wie­der uner­war­te­te Per­spek­ti­ven. Hier zeigt sich das typi­sche Erschei­nungs­bild einer Klein­stadt im ame­ri­ka­ni­schen Süden, die über Jahr­zehn­te hin­weg gewach­sen ist und sich dabei immer wie­der ver­än­dert hat.

Eine Stadt, die mit der Eisenbahn wuchs

Die Geschich­te der Regi­on reicht weit vor die Ent­ste­hung des heu­ti­gen Tupe­lo zurück. Ursprüng­lich gehör­te das Gebiet zum Sied­lungs­raum der Chick­a­saw, deren Land im 19. Jahr­hun­dert durch Ver­trä­ge und die erzwun­ge­ne Ver­trei­bung der indi­ge­nen Bevöl­ke­rung unter ame­ri­ka­ni­sche Kon­trol­le gelang­te. Die eigent­li­che Ent­wick­lung Tupe­los begann mit der Eisen­bahn, die neue wirt­schaft­li­che Ver­bin­dun­gen schuf und den Stand­ort zu einem regio­na­len Han­dels­platz machte.

1870 wur­de Tupe­lo offi­zi­ell als Stadt ein­ge­tra­gen. In den fol­gen­den Jahr­zehn­ten ent­stan­den Geschäf­te, Ban­ken, Lager­häu­ser und öffent­li­che Ein­rich­tun­gen. Die Eisen­bahn erleich­ter­te den Trans­port land­wirt­schaft­li­cher Erzeug­nis­se und indus­tri­el­ler Waren und mach­te Tupe­lo zu einem wich­ti­gen Han­dels­zen­trum im Nord­os­ten Mississippis.

Spä­ter kamen Tex­til­be­trie­be und ande­re Indus­trie­zwei­ge hin­zu. Ein wei­te­rer Mei­len­stein war die Elek­tri­fi­zie­rung durch die Ten­nes­see Val­ley Aut­ho­ri­ty. Tupe­lo gehör­te zu den ers­ten Städ­ten, die von deren Strom­ver­sor­gung pro­fi­tier­ten. Der Zugang zu elek­tri­scher Ener­gie wur­de zu einem wich­ti­gen Fak­tor für die wei­te­re wirt­schaft­li­che Entwicklung.

Zwischen Main Street und Lee County Courthouse

Noch heu­te ist die Main Street das Rück­grat der his­to­ri­schen Innen­stadt. Mehr­ge­schos­si­ge Back­stein­bau­ten mit deko­ra­ti­ven Fas­sa­den, tra­di­tio­nel­le Schau­fens­ter und älte­re Geschäfts­häu­ser ver­mit­teln ein Bild der ame­ri­ka­ni­schen Stadt­ent­wick­lung zwi­schen dem spä­ten 19. und der ers­ten Hälf­te des 20. Jahrhunderts.

Beson­ders mar­kant ist das Lee Coun­ty Court­house. Mit sei­nem Uhr­turm zählt es zu den archi­tek­to­ni­schen Wahr­zei­chen der Stadt. Das Gebäu­de steht zugleich für Tupe­los Bedeu­tung als Ver­wal­tungs­sitz des Lee Coun­ty. Bemer­kens­wert ist auch sei­ne Ver­bin­dung zu Elvis Pres­ley: Im Court­house wur­de einst eine Radio­sen­dung von WELO pro­du­ziert, bei der der jun­ge Elvis auf­tre­ten durfte.

Abseits des Court­house lohnt sich der Blick auf die klei­ne­ren Details. His­to­ri­sche Rekla­me­schil­der, ehe­ma­li­ge Bank­ge­bäu­de und älte­re Indus­trie­ar­chi­tek­tur erzäh­len von einer Stadt, deren wirt­schaft­li­ches Leben lan­ge durch Han­del, Hand­werk und Pro­duk­ti­on bestimmt wur­de. Gera­de die Kon­tras­te zwi­schen gepfleg­ten Fas­sa­den und funk­tio­na­len Hin­ter­hö­fen geben Down­town Tupe­lo sei­nen beson­de­ren Charakter.

Das Lyric Theatre und die Unterhaltungskultur

Ein wei­te­res Stück Stadt­ge­schich­te ist das Lyric Theat­re. Ursprüng­lich für Büh­nen­auf­füh­run­gen kon­zi­piert, wur­de das Haus spä­ter auch als Kino genutzt. Sei­ne tra­di­tio­nel­le Thea­ter­front erin­nert an eine Zeit, in der Film­vor­füh­run­gen und Live-Unter­hal­tung zu den wich­tigs­ten Frei­zeit­an­ge­bo­ten ame­ri­ka­ni­scher Klein­städ­te gehörten.

Auch hier führt eine Ver­bin­dung zu Elvis Pres­ley. Der spä­te­re Musi­ker besuch­te das Kino als Jugend­li­cher und soll beson­ders Wes­tern­fil­me geschätzt haben. Heu­te ist das his­to­ri­sche Gebäu­de mit dem Tupe­lo Com­mu­ni­ty Theat­re ver­bun­den und wird wie­der für Büh­nen­pro­duk­tio­nen genutzt.

Zerstörung und Wiederaufbau

Die Geschich­te Tupe­los ist auch von einer schwe­ren Kata­stro­phe geprägt. Am 5. April 1936 ver­wüs­te­te ein gewal­ti­ger Tor­na­do gro­ße Tei­le der Stadt. Mehr als 200 Men­schen ver­lo­ren ihr Leben, zahl­rei­che Gebäu­de wur­den zer­stört und gan­ze Wohn­vier­tel schwer beschädigt.

Der anschlie­ßen­de Wie­der­auf­bau ver­än­der­te das Stadt­bild nach­hal­tig. Zusam­men mit der wei­te­ren wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung führ­te er zu einer Mischung unter­schied­li­cher Bau­sti­le und Ent­ste­hungs­zei­ten, die Tupe­lo noch heu­te prägt.

Wer heu­te durch die Innen­stadt spa­ziert, sieht des­halb nicht ein­fach eine Samm­lung his­to­ri­scher Häu­ser. Down­town ist ein gewach­se­nes Stadt­zen­trum, in dem sich Eisen­bahn­ge­schich­te, wirt­schaft­li­cher Auf­schwung, tief­grei­fen­de Umbrü­che und ame­ri­ka­ni­scher All­tag über­la­gern. Nicht jedes Gebäu­de ist eine Sehens­wür­dig­keit im klas­si­schen Sinn. Doch gera­de das Zusam­men­spiel der vie­len klei­nen Details macht die Stra­ßen inter­es­sant – beson­ders mit der Kamera.

Elvis Presley

Vorderansicht des restaurierten Geburtshauses von Elvis Presley mit Holzveranda und Eingangsstufen. Das zweiräumige Haus wurde 1934 von seinem Vater Vernon Presley gebaut. Hier kam Elvis am 8. Januar 1935 zur Welt; die Familie musste das Haus einige Jahre später verlassen.

Vom kleinen Haus zur großen Bühne

Bevor Elvis Pres­ley zu einer der bekann­tes­ten Per­sön­lich­kei­ten der Musik­ge­schich­te wur­de, war er ein Jun­ge aus Tupe­lo. Hier, im Nord­os­ten Mis­sis­sip­pis, ver­brach­te er die ers­ten drei­zehn Jah­re sei­nes Lebens. Sei­ne Kind­heit war von beschei­de­nen wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen geprägt, aber auch von musi­ka­li­schen Ein­flüs­sen, die spä­ter ent­schei­dend zu sei­nem unver­wech­sel­ba­ren Stil bei­tra­gen sollten.

Heu­te erin­nern meh­re­re Orte in Tupe­lo an die­se frü­hen Jah­re. Das Geburts­haus, die Kir­che sei­ner Kind­heit und ein his­to­ri­sches Eisen­wa­ren­ge­schäft erzäh­len von der Zeit, als der spä­te­re King of Rock ’n’ Roll noch weit von Ruhm, Schall­plat­ten und aus­ver­kauf­ten Kon­zer­ten ent­fernt war.

Ein Geburtshaus mit zwei Zimmern

Am 8. Janu­ar 1935 wur­de Elvis Aaron Pres­ley in einem klei­nen Holz­haus in East Tupe­lo gebo­ren. Sein Vater Ver­non hat­te das Gebäu­de mit finan­zi­el­ler Unter­stüt­zung errich­tet. Das Haus bestand ledig­lich aus zwei Zim­mern und bot der jun­gen Fami­lie nur wenig Platz.

Die wirt­schaft­li­chen Schwie­rig­kei­ten wäh­rend der Welt­wirt­schafts­kri­se tra­fen auch die Pres­leys. Nach­dem Ver­non das Dar­le­hen für den Haus­bau nicht zurück­zah­len konn­te, ver­lor die Fami­lie ihr Zuhau­se. In den fol­gen­den Jah­ren zog sie mehr­fach inner­halb Tupe­los um.

Das heu­ti­ge Elvis Pres­ley Birth­place Muse­um bewahrt das restau­rier­te Geburts­haus an sei­nem ursprüng­li­chen Stand­ort. Mit sei­ner ein­fa­chen Ein­rich­tung und der schlich­ten Holz­ar­chi­tek­tur steht es in auf­fäl­li­gem Gegen­satz zu dem Luxus, mit dem Elvis spä­ter in Grace­land leb­te. Die Gedenk­stät­te macht deut­lich, wie weit der Weg von die­sen beschei­de­nen Anfän­gen bis zum inter­na­tio­na­len Super­star war.

Gospel, Country und Blues

Elvis wuchs in einer Umge­bung auf, in der Musik ein wich­ti­ger Bestand­teil des täg­li­chen Lebens war. In der Assem­bly of God Church, die er mit sei­ner Fami­lie besuch­te, lern­te er die Aus­drucks­kraft der Gos­pel­mu­sik ken­nen. Die lei­den­schaft­li­chen Gesän­ge und die enge Ver­bin­dung zwi­schen Musik und reli­giö­sem Gemein­schafts­le­ben hin­ter­lie­ßen bei ihm einen nach­hal­ti­gen Eindruck.

Dane­ben hör­te er Coun­try­mu­sik im Radio und kam in Tupe­lo mit afro­ame­ri­ka­ni­schen Musik­tra­di­tio­nen in Berüh­rung. Beson­ders die Blues- und Rhythm-and-Blues-Kul­tur der Regi­on präg­te sei­ne musi­ka­li­sche Wahr­neh­mung. Die spä­te­re Ver­bin­dung die­ser unter­schied­li­chen Sti­le wur­de zu einem wesent­li­chen Merk­mal sei­ner Musik.

Die his­to­ri­sche Kir­che ist heu­te Teil der Gedenk­stät­te. Sie erin­nert an einen wich­ti­gen Ort sei­ner musi­ka­li­schen Sozia­li­sa­ti­on und ver­mit­telt einen Ein­druck davon, wel­che Bedeu­tung reli­giö­se Musik im ame­ri­ka­ni­schen Süden jener Zeit besaß.

Die erste Gitarre und ein richtungsweisender Einkauf

Eine beson­de­re Rol­le in der Elvis-Geschich­te spielt die Tupe­lo Hard­ware Com­pa­ny. In die­sem Eisen­wa­ren­ge­schäft kauf­te Gla­dys Pres­ley ihrem Sohn zu sei­nem elf­ten Geburts­tag sei­ne ers­te Gitarre.

Der Legen­de nach hat­te Elvis ursprüng­lich ein ande­res Geschenk im Sinn. Sei­ne Mut­ter ent­schied sich jedoch für das Musik­in­stru­ment – eine Ent­schei­dung, deren Fol­gen damals nie­mand vor­her­se­hen konnte.

Dass aus­ge­rech­net ein gewöhn­li­ches Eisen­wa­ren­ge­schäft zu einem bedeu­ten­den Erin­ne­rungs­ort der Musik­ge­schich­te wer­den wür­de, gehört zu den reiz­vol­len Beson­der­hei­ten Tupe­los. Der Ort steht für den Moment, in dem aus einer kind­li­chen Begeis­te­rung für Musik ein eige­ner Weg ent­ste­hen konnte.

Memphis Bound – Der Aufbruch 1948

1948 ver­ließ die Fami­lie Pres­ley Tupe­lo und zog nach Mem­phis in Ten­nes­see. Damit ende­te Elvis’ Kind­heit in Mis­sis­sip­pi und es begann jener Lebens­ab­schnitt, der ihn weni­ge Jah­re spä­ter ins pro­fes­sio­nel­le Musik­ge­schäft füh­ren sollte.

Auf dem Gelän­de der Gedenk­stät­te erin­nert ein grü­ner Ply­mouth aus dem Jahr 1939 an die­sen Auf­bruch. Das aus­ge­stell­te Fahr­zeug ist eine Nach­bil­dung des Autos, mit dem die Fami­lie damals nach Mem­phis gefah­ren sein soll.

Elvis ver­gaß sei­ne Hei­mat­stadt den­noch nicht. 1957 unter­stütz­te er durch einen Bene­fiz­auf­tritt die Ent­wick­lung eines Parks rund um sein Geburts­haus. Heu­te ist der Ort eine inter­na­tio­nal bekann­te Erinnerungsstätte.

In Tupe­lo beginnt die Geschich­te von Elvis Pres­ley nicht mit einer gol­de­nen Schall­plat­te oder einem berühm­ten Büh­nen­auf­tritt. Sie beginnt mit einem klei­nen Haus, einer Kir­che und einer Gitar­re aus einem Eisen­wa­ren­ge­schäft. Gera­de die­se All­täg­lich­keit macht die frü­hen Sta­tio­nen sei­ner Bio­gra­fie so bemerkenswert.

Tupelos andere Seite

Das farbige Unity & Love Mural befindet sich in der Gasse bei 108 South Spring Street; auf dieser Aufnahme sind Baum, Menschen, Hände und Herzen zu sehen.

Kunst, Kuriositäten und Alltagsgeschichte

Nicht alle Sehens­wür­dig­kei­ten ste­hen in Rei­se­füh­rern. Manch­mal genügt ein Spa­zier­gang durch eine Sei­ten­gas­se, ein Blick auf eine alte Back­stein­wand oder ein unge­plan­ter Halt am Stra­ßen­rand. Tupe­lo besitzt zahl­rei­che sol­cher Orte, an denen sich ame­ri­ka­ni­sche All­tags­ge­schich­te, loka­le Krea­ti­vi­tät und die Spu­ren ver­gan­ge­ner Jahr­zehn­te begegnen.

Beson­ders die Street-Art-Sze­ne ver­leiht der Innen­stadt eine über­ra­schend far­ben­fro­he Sei­te. Doch auch ehe­ma­li­ge Indus­trie­ge­bäu­de, unge­wöhn­li­che Anti­qui­tä­ten­märk­te und die typi­schen Moti­ve des ame­ri­ka­ni­schen Stra­ßen­bil­des sind Teil die­ser Entdeckungsreise.

Murals – Wenn Häuserfassaden Geschichten erzählen

Tupe­los Wand­ma­le­rei­en sind weit mehr als deko­ra­ti­ve Farb­tup­fer. Zahl­rei­che groß­for­ma­ti­ge Kunst­wer­ke beschäf­ti­gen sich mit der Geschich­te der Stadt, ihrer kul­tu­rel­len Iden­ti­tät und den Men­schen, die sie geprägt haben. Das Pro­jekt „Off the Wall: Chan­ging the ART­mo­sphe­re in Tupe­lo Brick by Brick“ hat dazu bei­getra­gen, die Innen­stadt in eine öffent­li­che Kunst­ga­le­rie zu verwandeln.

Beson­ders ein­drucks­voll ist das Chick­a­saw Heri­ta­ge Mural. Es erin­nert an die indi­ge­ne Geschich­te der Regi­on und stellt Per­sön­lich­kei­ten der Chick­a­saw in den Mit­tel­punkt. Ergänzt wird die Dar­stel­lung durch Sym­bo­le der spä­te­ren Stadt­ent­wick­lung, dar­un­ter Eisen­bahn­schie­nen, Magno­li­en­blät­ter und die Ten­nes­see Val­ley Authority.

Ande­re Wand­bil­der grei­fen die Han­dels­ge­schich­te Tupe­los auf. Das Book Stack Mural des Künst­lers Mor­ris McCain erin­nert an das tra­di­ti­ons­rei­che Reed’s Depart­ment Store, das über vie­le Jahr­zehn­te zum Geschäfts­le­ben der Innen­stadt gehör­te. Die Dar­stel­lung ver­bin­det Bücher, Waren­wel­ten und die Geschich­te des Ein­zel­han­dels zu einem unge­wöhn­li­chen Erinnerungsstück.

Dane­ben fin­den sich ver­spiel­te Moti­ve: Zir­kus­ele­fan­ten, Jon­gleu­re, far­ben­fro­he Figu­ren und detail­rei­che Kom­po­si­tio­nen ver­wan­deln schma­le Gas­sen in klei­ne Frei­luft­ga­le­rien. Das Unity & Love Mural wie­der­um stellt gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt und Gemein­schaft in den Mittelpunkt.

Gera­de für die Foto­gra­fie bie­ten die­se Kunst­wer­ke reiz­vol­le Gegen­sät­ze. Kräf­ti­ge Far­ben tref­fen auf rau­es Mau­er­werk, groß­flä­chi­ge Dar­stel­lun­gen auf unschein­ba­re Sei­ten­stra­ßen. Man­che Bil­der ent­fal­ten ihre Wir­kung erst aus grö­ße­rem Abstand, wäh­rend ande­re gera­de durch ihre Details inter­es­sant werden.

Relics – Ein Warenhaus voller Vergangenheit

Eine beson­de­re Ent­de­ckung ist das Relics Antique Mar­ket­place. Der weit­läu­fi­ge Anti­qui­tä­ten­markt befin­det sich in einem ehe­ma­li­gen Tex­til­fa­brik­ge­bäu­de, in dem einst Gla­dys Pres­ley arbei­te­te, als sie mit Elvis schwan­ger war.

Damit ver­bin­det selbst die­ses schein­bar unge­wöhn­li­che Aus­flugs­ziel die Indus­trie­ge­schich­te Tupe­los mit der Bio­gra­fie sei­nes berühm­tes­ten Sohnes.

Wo frü­her Klei­dungs­stü­cke pro­du­ziert wur­den, ver­tei­len sich heu­te Anti­qui­tä­ten, Samm­ler­stü­cke, Möbel, Schall­plat­ten und unzäh­li­ge Gebrauchs­ge­gen­stän­de aus ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten auf zwei Etagen.

Beim Rund­gang durch die Ver­kaufs­räu­me begeg­nen sich unter­schied­li­che Epo­chen ame­ri­ka­ni­scher All­tags­kul­tur. Alte Wer­be­schil­der und Haus­halts­ge­gen­stän­de ste­hen neben Vinyl­plat­ten, Deko­ra­tio­nen und Fund­stü­cken, deren ursprüng­li­cher Ver­wen­dungs­zweck sich manch­mal erst auf den zwei­ten Blick erschließt.

Der beson­de­re Reiz liegt dabei nicht allein in den ange­bo­te­nen Waren. Auch die ehe­ma­li­ge Fabrik­ar­chi­tek­tur trägt zur Atmo­sphä­re bei. Das Gebäu­de hat sei­ne indus­tri­el­le Ver­gan­gen­heit nicht voll­stän­dig abge­legt, son­dern bie­tet ihr einen neu­en Rahmen.

Relics ist des­halb mehr als ein gewöhn­li­cher Anti­qui­tä­ten­markt. Es ist ein Ort, an dem Indus­trie­ge­schich­te, Erin­ne­rungs­kul­tur und die Lust am Sam­meln aufeinandertreffen.

Roadside America – Das Unscheinbare entdecken

Abseits der his­to­ri­schen Innen­stadt und der bekann­ten Elvis-Stät­ten fin­den sich jene Moti­ve, die auf ame­ri­ka­ni­schen Road­trips oft ganz neben­bei entstehen.

Ein ver­ros­te­ter Pick­up, der sei­ne bes­ten Jah­re längst hin­ter sich hat. Ein Güter­zug am Bahn­über­gang. Strom­lei­tun­gen, Stra­ßen­schil­der und lee­re Park­flä­chen unter einem wei­ten Som­mer­him­mel. Es sind gewöhn­li­che Sze­nen des ame­ri­ka­ni­schen Südens, die gera­de in ihrer Unauf­ge­regt­heit eine beson­de­re foto­gra­fi­sche Wir­kung entfalten.

Die­se Moti­ve erzäh­len kei­ne spek­ta­ku­lä­ren Geschich­ten. Sie ver­mit­teln viel­mehr einen Ein­druck davon, wie Tupe­lo jen­seits tou­ris­ti­scher Attrak­tio­nen aus­sieht. Zwi­schen Ver­kehr, Gewer­be­ge­bie­ten und älte­ren Gebäu­den begeg­net man einer Stadt, die ihren eige­nen Rhyth­mus hat.

Auch das Licht spielt dabei eine Rol­le. Unter der inten­si­ven Son­ne Mis­sis­sip­pis ent­ste­hen har­te Schat­ten und deut­li­che Kon­tras­te. Wenn sich gro­ße Som­mer­wol­ken über den Stra­ßen auf­tür­men oder ein­zel­ne Son­nen­strah­len durch die Wol­ken­de­cke bre­chen, ver­wan­delt sich selbst ein gewöhn­li­cher Park­platz in ein inter­es­san­tes Fotomotiv.

Gera­de die­se Beob­ach­tun­gen ver­voll­stän­di­gen das Bild von Tupe­lo. Die Stadt ist Geburts­ort einer Musik­le­gen­de und zugleich ein ganz nor­ma­ler Ort im ame­ri­ka­ni­schen Süden – mit Kunst an den Wän­den, Relik­ten aus ver­gan­ge­nen Zei­ten und zahl­lo­sen klei­nen Geschich­ten am Wegesrand.

Die Sonne steht hinter großen Quellwolken über Tupelo. Eine besonders niedrige Sonnenhöhe ist anhand der Aufnahme nicht belegt.